Der Uni-Campus und das Leben in den Dorms

 

Der amerikanische Unicampus in Long Beach weist einige Unterschiede zum Ulmer Campus auf. Ist die erste Hürde der Orientierung dank Campusplan und eigenständigen Erkundungen gemeistert, steht dem Finden der Hörsäle und Seminarräume zumindest theoretisch nichts mehr im Wege. Allerdings ist der CSU LB Campus so groß, dass man zu Fuß, dem Fahrrad oder dem hier sehr beliebten Skateboard eine ganze Weile unterwegs ist, bevor man die Veranstaltungsorte erreicht. Die Distanzen sind dabei so groß, dass man die öffentlichen Busverbindungen oder die unizugehörigen Shuttlebusse nutzen kann, die den Campus (in einer Ost- und Westschleife) sowie wichtige Orte wie die Bibliothek anfahren. Da viele Studierende (fast) jeden Tag zur Uni pendeln, gibt es auch viele Parkplätze und Parkhäuser – Stau am Morgen ist daher keine Seltenheit. Deutlich schneller und angenehmer ist es, auf dem Campus zu wohnen, da der Fußweg zur Vorlesung einen schönen Spaziergang darstellt.

Da momentan über 35.000 Studierende an der CSU LB studieren, gibt es sehr viele mehrstöckige Gebäude, in denen Veranstaltungen abgehalten werden – viele Studiengänge besitzen dafür jeweils ein eigenes Gebäude. Des Weiteren stehen eine Bibliothek, ein Buchladen, mit allem was das Studentenherz begehrt, und zahlreiche Essmöglichkeiten, Lernflächen und Pausenaktivitäten wie Kegeln in der „University Student Union“ zur Verfügung.

Aber ein amerikanischer Campus wäre nicht das, was er ist, gäbe es da nicht noch einiges mehr: riesige Sportgelände für Sportarten wie Baseball, Tennis, Bogenschießen und Schwimmen, das imposante Wahrzeichen der Universität (die blaue Walter-Pyramide, in der die Basketball- und Volleyballteams der CSU LB gegen Mannschaften anderer Universitäten antreten), das zweistöckige, relativ neue, sehr moderne „Student Recreation & Wellness Center“ mit zahlreichen, teils außergewöhnlichen Fitness-, Sport- und Erholungsangeboten, das kleine, aber feine Universitätsmuseum, die universitätseigene Polizei- und Poststation, der wunderschöne „Japanese Garden“, das „Performing Arts Center“, in der immer wieder Vorstellungen stattfinden, kleinere Supermärkte… Trotz der Weitläufigkeit ist der gesamte Campus sehr gepflegt und die vielen schönen Grünflächen laden zum Lernen draußen ein. Schon beim ersten Spaziergang über den Campus hat mich die CSU LB als ein sehr schöner, offen gestalteter und freundlicher Ort überzeugt. In den Semesterferien und am Wochenende kann man den Weg über den leeren Campus genießen, unter der Woche schließt man sich den zahlreichenden Studierende an, die auf dem Weg zur Vorlesung sind oder ihre Mittagspause in der Sonne genießen.


Möchte man in den traditionellen, amerikanischen Studentenwohnheime (Dorms) wohnen, muss man sich frühzeitig um einen Platz bewerben. Man hat dabei die Wahl zwischen zwei Standorten „on campus“ und einem Standort „off campus“. Jedes Studentenwohnheim besteht aus mehreren Gebäuden und besitzt eine eigene „Dining Hall“, in der man als Bewohner und auch als Gast essen kann. Für deutsche Studierende scheinen manche Aspekte des Lebens in einem Dorm erst einmal gewöhnungsbedürftig: die meisten Zimmer sind nur ca. 15 Quadratmeter groß – und werden zu zweit geteilt! Mehr als ein Schreibtisch, ein Bett und ein Schrank pro Bewohner haben kaum Platz. In den „Suite-Style“ Dorms bilden drei Doppelzimmer eine Suite, in der sechs Studierende ein Bad teilen. Die Suites sind nach Geschlecht getrennt; in meinem Gebäude wohnen die meisten Mädchen im ersten Stock, die Jungen im Erdgeschoss. In den „Traditional Dorms“ gibt es keine Suites, da die Bewohner einer gesamten Ebene ein großes Bad auf dem jeweiligen Stock teilen. Zwar hat jedes Gebäude je zwei Waschmaschinen und Trockner – bei 100 Studierenden pro Gebäude ist gutes Zeitmanagement aber ein absolutes Muss.

Wohnt man in einem Dorm der CSU LB, so hat man keinen Zugang zu einer Küche – stattdessen isst man in den neuen, modernen Dining Halls, wobei die Häufigkeit vom gewählten „meal plan“ abhängt. Einige Studierende können auf einen eigenen Kühlschrank und eine Mikrowelle aber nicht verzichten und stellen sich diese noch mit ins Zimmer. In der Dining Hall ist die Auswahl an Speisen und Getränken sehr vielfältig und abwechslungsreich, da die Angebote täglich variieren und sich nur alle paar Wochen wiederholen. Man kann sich aussuchen, wann genau man essen möchte (Frühstück 7-10 Uhr, Mittagessen 11-14.30Uhr, Abendessen 16-20.30Uhr) und es gilt das „all you care to eat“-Prinzip (man kann sich alles nehmen was man möchte, sollte dies aber verantwortungsvoll tun). Zum Frühstück kann man zum Beispiel zwischen Toast, Müsli, Waffeln, Rührei und Bacon oder Pfannkuchen wählen – dazu gibt es Tee, Kaffee, Milch, Säfte, Wasser oder sogar Softdrinks. Mittag- und Abendessen sind mit einer Suppen- und Salatbar, mindestens jeweils einem Gericht mit Nudeln oder Reis, Fleisch oder Fisch und mindestens einem vegetarischen oder sogar veganen Gericht noch vielfältiger. Zum Nachtisch hat man die Auswahl zwischen Kuchen, Keksen, Eis oder Frozen Yogurt. Wem das noch immer nicht genug ist, kann sich auch noch einen Kaffee oder Tee mitnehmen. Obwohl oder gerade weil immer so viel Auswahl geboten wird, lernt man relativ schnell, verantwortungsvoll mit dem Essen umzugehen und bewusst zu essen. Mit kleinen Gesten wie selbstgemachter Limonade (jeden Freitag), Dekorationen zu Halloween oder Weihnachten, Themenmenüs wie am Valentinstag oder vor den Klausuren und ausgefallenen Gerichten versuchen die Mitarbeiter der Dining Halls das Studentenleben ein bisschen zu versüßen, wobei die meisten von ihnen selbst Studierende sind. Außerdem kann man am Anfang jeden Semesters eine Mahlzeit an bedürftige Studierende spenden, die dieses dann unter dem Semester einlösen können.

Das Service Center dient dazu nach der Post zu sehen, Briefe zu verschicken oder bei Problemen in den Dorms Hilfe zu vermitteln. Das Housing Office und die Resident Assistants (zwei Studierende pro Gebäude, die für ein reibungsloses Zusammenleben verantwortlich sind) organisieren ab und zu kleinere Veranstaltungen wie Filmabende oder Ausflüge, um das Wohnen in den Dorms attraktiv zu gestalten. Mit meiner Mitbewohnerin habe ich dieses Semester Glück, da wir uns gut verstehen, ab und zu gemeinsam die Gegend erkunden oder Sport machen. Allerdings läuft es nicht immer so reibungslos und man muss sich an das Zusammenwohnen im Zimmer und den Suites erst gewöhnen – das klappt in manchen Fällen besser als in anderen. Für mich ist es jedoch eine einmalige und lehrreiche Erfahrung typisch amerikanisch „on campus“ zu wohnen und auch diesen kulturellen Unterschied mitzuerleben.

Special Auslandssemester: Go Beach! Studieren am anderen Ende der Welt
Fabienne studiert seit August in Kalifornien (USA) und schreibt regelmäßig über ihr Auslandssemester in den Vereinigten Staaten.

In ihrem vierten Beitrag zeigt uns Fabienne, wie ihr Campus und der Uni-Alltag aussehen.
Semester: Wintersemester 2016/2017
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