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Long Beach – die Stadt am Meer

Wer sich für das California State University System bewerben möchte, hat die Freiheit und zugleich auch die Qual der Wahl sich für einen der 23 Campusorte zu entscheiden. Long Beach war meine erste Wahl und ich bin sehr froh darüber, diese schöne Stadt meine zweite Heimat nennen zu dürfen.

Long Beach liegt im Süden Kaliforniens, etwa eine Stunde von Los Angeles entfernt. Mit über 450.000 Einwohnern ist Long Beach als amerikanische Großstadt noch überschaubar. Sie bietet – etwas außerhalb gelegen – den zweitgrößten Hafen der USA und einen eigenen Flughafen. Auch die Busverbindungen sind erstaunlich gut ausgebaut und es wurde versucht Fahrradwege zu etablieren (mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg). Besonders schön ist natürlich der kilometerlange, breite Sandstrand, an dem man lernen, spazieren gehen und surfen kann.

Mit 345 Sonnentagen im Jahr ist Long Beach eine absolute Traumstadt, was das Wetter anbelangt. Zwar ist es morgens oft wolkig und kühl, gegen Mittag klart es jedoch fast immer auf und strahlend blauer Himmel kommt zum Vorschein. Obwohl der Herbst auch hier nun langsam spürbar wird, sind Temperaturen über 20 Grad auch im Oktober und sogar November vollkommen normal.

Auch kulturell hat Long Beach einiges zu bieten: verschiedene Museen, wie z.B. das Long Beach Museum of Art und das Museum of Modern Latin American Art, die Queen Mary, historische Ranches, ein Aquarium sowie mehrere Parks sorgen für Freizeitwert. Mehrere Outlets und Restaurantmeilen (wie die auf der bekannten 2nd Street oder in Shoreline Village) runden das Bild ab. Sogar Gondelfahrten sind möglich und die kleine „Insel“ Naples erinnert mit ihren vielen Kanälen tatsächlich ein bisschen an Venedig. Schifffahrten entlang der Küste sowie whale-watching-Touren auf dem Ozean lassen einen das Meer in vollen Zügen genießen.

Los Angeles ist, sofern man ein Auto besitzt, recht schnell erreichbar – ansonsten steht eine Metroverbindung von Long Beach aus zur Verfügung. Die berühmten Sehenswürdigkeiten wie der Walk of Fame mit dem Chinese Theater, die Universal Studios, Beverly Hills, das Griffith Observatory oder das Hollywood Sign (der Hollywood Hike dorthin ist sehr zu empfehlen!) sind immer einen Besuch wert. Auch für das Disneyland in Anaheim ist man natürlich nie zu alt. Und wen es in Richtung Mexiko zieht, der sollte auf jeden Fall San Diego besuchen – eine sehr schöne, gepflegte Stadt ebenfalls am Meer etwa zwei Stunden von Long Beach entfernt.

Die Nähe zu Mexiko sowie die internationale Universität machen Long Beach zu einer kulturell diversen Stadt mit vielen Nationalitäten. Daher ist es als internationale Studentin auch kein Problem sich sehr schnell in Long Beach wohl zu fühlen. Wer einmal hier war, wird sich beim Blick auf Strand und Stadt sofort in den Ort verlieben! Auch wenn Ulm bereits eine sehr schöne Stadt ist, will man von Long Beach so schnell nicht mehr weg.


Vor der Wahl

Seit Wochen, vielmehr Monaten, liefen in den USA die Wahlkampagnen der beiden Kandidaten Hillary Clinton und Donald Trump. Insbesondere in der Zeit kurz vor der Wahl wurden die Amerikaner regelmäßig und gefühlt überall über die Wahl informiert und mit der Wichtigkeit des Wählens konfrontiert. Mehr denn je schien es vielen eine Pflicht zu sein, wählen zu gehen und auch Mitmenschen dafür zu motivieren – so auch auf dem Campus. Zahlreiche Plakate und die Unizeitschrift berichteten. Da man sich in den USA vorab registrieren muss um zu wählen, gab es – dank vieler fleißiger Helfer – mehrere Male die Möglichkeit das direkt auf dem Campus zu tun. Diese schnelle und unkomplizierte Registrierung wurde von vielen Studierenden angenommen und hat sicher zu der ein oder anderen Wahlstimme mehr beigetragen. Bemerkenswert war das Engagement derjenigen, die das ganze durchführten.
Entgegen meiner Erwartungen wurde das Thema Politik während des Unterrichts nicht ausgeklammert – ganz im Gegenteil. Mehrfach wurde (in)direkt darauf hingewiesen, wählen zu gehen und die Auswirkungen seiner Wahlstimme zu überdenken. Des Weiteren zeichnete sich ein klares Bild ab, auf wessen Seite sich die Professoren sahen.
Die Stimmung in den Tagen vor der Wahl lässt sich sehr treffend mit „steigender Anspannung“ beschreiben. Viele Studierende sahen besorgt und unsicher auf den Wahltag am Dienstag, den 8. November 2016. Zwar schienen sie bestärkt darin ihre Stimme abzugeben, aber der offene Ausgang war für viele sehr beängstigend.
Viele mit denen ich gesprochen habe, haben ehrlich von ihren Ängsten und Befürchtungen erzählt. Durch die Nähe zu Kalifornien leben hier auch viele mexikanische oder mexikanischstämmige junge Menschen, die die Entwicklungen der letzten Monate besorgt verfolgt haben. Aber auch viele andere Amerikaner standen den fraglichen Aussagen Trumps mehr als kritisch gegenüber. Tatsächlich habe ich – mal im Spaß, mal recht ernst – mehr als einmal das Wort „Auswanderung“ gehört, sollte der umstrittene Kandidat gewählt werden.
Zu der Unsicherheit über den Wahlausgang mischten sich auch Ärger und Unverständnis, wie es überhaupt zur Aufstellung der beiden Kandidaten kommen konnte.

Der Wahltag

Bereits am Morgen der Wahl hatten viele Studierende in den zahlreichen umliegenden Wahllokalen gewählt. Im Laufe des Tages trugen immer mehr Menschen die „I voted“-Sticker, die bei der Stimmabgabe verteilt wurden. Auffällig war, dass die Sticker meist provokant vorne auf das T-Shirt geklebt wurden – als Stolz gewählt zu haben und auch andere zu motivieren. Fahrgemeinschaften zu Wahllokalen wurden gebildet, Erinnerungen für das Wählen verschickt und facebook mit stolzen Wählerfotos überflutet. Die letzte Kursstunde beendete unsere Professorin mit den Worten „…und morgen haben wir dann hoffentlich die erste Präsidentin der USA“. Die Mehrheit auf dem Campus schien diesem Wunsch zuzustimmen und ihre Meinung auch recht offen zu vertreten. Anhänger von Trump hingegen schienen zwar weniger präsent, aber nicht weniger überzeugt von ihren Ansichten.
Am Abend stieg die Spannung dann quasi exponentiell – fast jeder (selbst diejenigen, die generell wenig an Politik interessiert sind) verfolgte die Ergebnisse über das Fernsehen oder online. Das Kopf-an-Kopf-Rennen war für viele bereits Überraschung genug und es war tatsächlich immer nervenaufreibender die Auszählungen mitzuverfolgen. Als bereits vor Mitternacht klar wurde, dass Clintons Chancen auf einen Wahlsieg immer geringer wurden, machte sich Fassungslosigkeit, Bestürzung und Unglaube breit. Noch immer scheint es für viele schwer zu glauben, dass in etwa jeder Zweite seine Stimme für Trump abgegeben hatte. Mit Bekanntgabe des Ergebnisses war für viele das Unvorstellbare wahr geworden. Die Nacht auf dem Campus verlief jedoch ruhig.

Der Tag danach

Sehr trefflich für diesen Tag ist der Ausdruck „die Ruhe nach dem Sturm“ – zwar hatten die Amerikaner lange auf die Wahl hingefiebert, aber viele hatten sich den Ausgang anders vorgestellt. Gefühlt befand sich der Campus in einer Schockstarre, die einen wirklich fragen ließ, ob das Ergebnis tags zuvor tatsächlich korrekt war und wie es dazu gekommen war. Beim Frühstück in der Dining Hall sammelten sich fast alle vor dem Fernseher, in dem gerade die Dankesrede von Clinton lief. Auch die Gespräche drehten sich um die Wahl, wobei es schien, als wollten auch einige (aufgrund von Verdrängung oder Scham) lieber nicht darüber sprechen.
Die Universität selbst reagiert ebenfalls auf die Wahlereignisse und verschickte am Tag danach eine Rundmail an alle auf dem Campus lebenden Studierenden mit dem Titel “Coping with Recent Events in Our Country“. Darin enthalten war die Aussage, dass man sich darüber bewusst sei, dass sich viele Studierende von den Ereignissen betroffen fühlen und dass man daher auf die vielen Hilfsmöglichkeiten (Resources) auf dem Campus aufmerksam machen wolle. In der Tat bietet der Campus einige Angeboten wie die “Counseling and Psychological Services (CAPS)“ an, die auch in solchen Situationen Hilfe anbieten. Außerdem war ein PDF-Dokument angehängt mit Inhalten zu “6 Ways to Cope with Election Stress“. Auch daran wird wieder sehr deutlich, dass amerikanische Universitäten sehr viel mehr Themen und Umstände aufgreifen als es deutsche Universitäten tun.
Eine Professorin verschickte zudem noch eine mail mit Informationen über Meditation als Copingstrategie, das “Women Gender and Equity Center“ und “LGBT Student Resource Center“ auf dem Campus und um die Liste noch zu vervollständigen Kontaktdaten der “National Suicide Prevention Lifeline“… Die Wahl und vor allem die Konsequenzen werden also relativ ernst genommen.
Eine schöne Geste fand ich einen “Safe Space“ auf dem Campus – bestehend aus drei Whiteboards, auf die jeder, der wollte, schreiben konnte. Als Leitbegriffe dienten “How do you feel?“, ”What are you grateful for?“ und “How are you doing?”. Bereits diese Möglickeit zu kommunizieren und die Situation für sich zu überdenken schien vielen zu helfen.

Auf facebook reagierten viele junge Menschen, die ihre Ablehnung und den Unglauben über den Wahlausgang kundtaten. Sie machten deutlich, dass ihnen Respekt, Toleranz und Freiheit wichtig sind und sie sich mit vielen Aussagen Trumps nicht identifizieren. Einige gingen sogar so weit, Trump nicht als ihren Präsidenten zu bezeichnen (“not my president“). Besonders frustrierend ist für viele das indirekte Wahlsystem über die Wahlmänner (Electoral College), denn wäre nach der Mehrheit der amerikanischen Wählerstimmen entschieden worden, wäre Clinton die erste Präsidentin der USA geworden.
Trumps Anhänger hingegen sprechen davon, „Geschichte erlebt“ zu haben und schauen voller Zuversicht in die Zukunft.

Was auf Amerika in den nächsten 4 Jahren zukommt, wird nur die Zeit zeigen können. Obwohl die Angst und Bedenken vieler natürlich noch immer vorherrschen, gehen andere mit gutem Beispiel voran und machen deutlich: auch wenn sie sich nicht mit dem neuen Präsidenten identifizieren können, werden sie für ihre Rechte einstehen und Hass mit Hoffnung und Stärke begegnen. Das zeigt auch der beliebte Slogan “Love Trump’s Hate.“ Viele vor allem junge Menschen rufen zu mehr Respekt, Toleranz und einem friedlichen Zusammenleben auf.


Noch bevor ich mein Studium in Ulm überhaupt angefangen hatte, war für mich klar: Ich möchte im Ausland studieren! Vier Semester später habe ich meinen Traum verwirklicht und studiere seit August in Kalifornien, USA.

Mein Name ist Fabienne Förstner, ich bin 21 Jahre alt (geworden – in den USA auch sehr zu empfehlen!) und absolviere derzeit mein fünftes Semester. Die ersten vier Semester habe ich regulär an der Universität Ulm studiert. Für Fremdsprachen, Reisen, andere Länder und Kulturen habe ich mich schon immer sehr interessiert, daher habe ich mich unglaublich gefreut als ich die Zusage für meinen Auslandsaufenthalt erhalten habe und sogar an meiner Wunsch-Universität akzeptiert wurde. Im Ausland zu studieren ist eine einmalige Erfahrung, die mir eine umfassende universitäre, persönliche und kulturelle Weiterbildung ermöglicht.
Wer im Ausland studieren möchte, muss jedoch früh mit der Planung und Organisation beginnen – bei mir war das bereits Mitte des zweiten Semesters. Das International Office schreibt mögliche Programme aus, akzeptiert Bewerbungen und trifft Auswahl sowie Platzierung der Ulmer Studierenden. Mit der Bewerbung ist allerdings nur ein kleiner von vielen Schritten getan – auf den gesamten Ablauf werde ich in einem anderen Artikel näher eingehen, da dieser sehr umfangreich ist.

Das fünfte Semester habe ich ganz bewusst für meinen Auslandsauenthalt gewählt, da in diesem Semester vergleichsweise wenige, reguläre Veranstaltungen liegen – insbesondere auch deshalb, weil ich einige Kurse und andere Bestandteile meines Studiums bereits vorab absolviert hatte, um in den späteren Semestern mehr Freiheit zu erhalten. Als außerfachliche Schlüsselqualifikation habe ich daher Sprachen gewählt und als nicht-psychologisches Wahlpflichtfach „Medien und Kommunikation“ belegt. Das ist auch der Grund, weshalb ich dieses Semester als „Auslandskorrespondentin“ fungiere und aus dem amerikanischen Studentenleben berichten werde. Denn zwischen Ulm und Long Beach liegen nicht nur um die 10.000 Kilometer, 11 Stunden Flug und 9 Stunden Zeitverschiebung sondern auch etliche Unterschiede im alltäglichen Leben.
Für mich war Amerika ganz klar meine erste Wahl: nach dem Abitur habe ich dort für einige Zeit gewohnt, die Vielfalt an Städten, Kulturen und Menschen fasziniert mich immer wieder aufs Neue, mit dem amerikanischen Englisch komme ich sehr gut zurecht und einige Verwandte leben hier glücklicherweise auch. Meine amerikanische Universität liegt in der Stadt Long Beach und ist Teil des kalifornischen Universitätssystems – daher der Name „California State University Long Beach“. Da sie relativ nahe am Meer liegt, kann ich dem gemeinsamen Motto der über 35.000 Studierenden nur zustimmen: „Go Beach!“